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Transformator

 

Einführung

 

Zwei wesentliche Anwendungen des Induktionsprinzips sind „der Ge-

nerator“ und „der Transformator“. Das Prinzip des Generators wurde

schon im ersten Kapitel zur Induktion beschrieben. Wir kümmern uns

in diesem Kapitel jetzt um den Transformator. Wie der Name schon

sagt, handelt es sich um ein Gerät, welches Umwandlungen vornimmt,

und zwar werden Spannungen verkleinert oder vergrößert.

 

Aufbau

Den üblichen Aufbau kann man in der folgenden Abbildung sehen:

 

Quelle. wikipedia

 

Aufbau:

Es gibt zwei Spulen, eine Primarspule und eine Sekundärspule. Diese

Spulen haben meist unterschiedliche Windungszahlen. Der Primär-

spule wird eine Wechselspannung zugeführt. An der Sekundärspule

wird eine Spannung abgegriffen. Beide Spulen sind häufig über einen

Eisenkern miteinander verbunden.

 

Einen typischer Schultransformator sieht so aus:

 

Quelle: wikipedia (mit Benennungen ergänzt)

 

Funktion:

Meist hat man die Absicht mit einem Transformator die vorgegebene

Primärspannung zu verändern. Die Sekundärspannung hat also einen

anderen Wert als die Primärspannung. Dies hängt vom Verhältnis der

Windungszahlen ab.

Messungen

 

Folgende Messergebnisse bestätigen dies noch einmal:

 

Primärspannung = 10 V, nPrimär = 140  (Phywe-Spulen)

 

nSekundär

14

28

42

56

70

84

98

112

126

140

USekundär

0,9

1,8

2,8

3,7

4,7

5,8

6,9

7,5

8,7

9,6

 

Entstehung der Sekundärspannung

 

Wichtig ist zunächst, dass auf der Primarseite eine Wechselspannung

zugeführt wird. Mit Gleichstrom gibt es keine Sekundärspannung.

Diese Wechselspannung führt über die Stromstärke zu einem Mag-

netfeld, welches mit der Frequenz der Spannung seine Stärke

ändert (s. Magnetfeld einer Spule). Dieses Magnetfeld greift auch in

die Umgebung der Primärspule aus. Da der Eisenkern selber mag-

netisch wird und das Magnetfeld verstärkt, liegt in der Hauptsache das

Magnetfeld im Eisenkern vor. Somit gelangt das sich ändernde Mag-

netfeld über den Eisenkern auch auf die Sekundärseite. Hier liegt jetzt

also innerhalb der Sekundärspule ein sich änderndes Magnetfeld vor.

Dies führt nach dem Induktionsgesetz 2. Teil zu einer Spannung inner-

halb der Sekundärspule. Nach dem Induktionsgesetz hängt diese von

der Windungszahl der Sekundärspule ab. (s. Induktionsgesetz).

 

Wir können also schon einmal festhalten USekundär ~ nSekundär wegen

des Induktionsgesetzes. Komplexer ist es zu erklären, dass auch

die Primärspannung von der Windungszahl der Primärspule abhängt.

Für eine exakte Darstellung muss man die Gesetze des Wechsel-

stromkreises kennen, die z.Z. (2025) aber nicht mehr in der Oberstufen-

physik (NRW) unterrichtet werden.

Eine Kurzerläuterung könnte so aussehen: Geht man davon aus, dass

der Ohmsche Widerstand keine Rolle spielt, ergibt sich, dass die

Selbstinduktionsspannung der anliegenden Spannung entspricht,

d.h. U(t) = − Uind(t) = nprimär ∙ A ∙ dB/dt, somit würde gelten UPrimär ~

nPrimär

 

 

Transformatorformel Spannungen

 

Es ergibt sich dann die sogenannte Transformatorformel oder das

Transformatorgesetz.

 

 

Transformatorgesetz

Für die Spannungen und Windungszahlen am Transformator gilt folgende Gesetzmäßigkeit

 

 

Man sieht, dass dies für die obigen Messergebnisse in etwa passt. Die

Werte sind alle etwas niedriger als die Formel vorhersagt. Dies hängt

damit zusammen, dass es bei der Übertragung über den Eisenkern

leider immer Verluste gibt, so dass die Energieübertragung nie zu

100% funktioniert (s.unten: Extrakapitel). Wenn keine Verluste auf-

treten würden, spricht man von einem idealen Transformator.

 

Transformatorformel Stromstärken

 

Im Fall eines idealen Transformators lässt sich auch schnell eine For-

mel für das Verhältnis der Stromstärken gewinnen.

Falls kein Energieverlust vorliegt, gibt es auch keinen Leistungsunter-

schied zwischen den beiden Transformatorseiten. Es gilt also

 

 

Wir halten also fest:

 

 

Transformator: Stromstärken

 

Für die Stromstärken am Transformator gilt

 

 

Die Stromstärken verhalten sich also umgekehrt wie die Spannungen.

Wenn man auf der Sekundärseite hohe Spannungen hat, liegen dafür

dann niedrige Stromstärken vor.

Übrigens spricht man bei einem Transformator, bei dem auf der Se-

kundärseite eine Stromstärke auftritt, also ein geschlossener Strom-

kreis vorliegt, von einem belasteten Transformator.

 

Video: Transformatorgesetz

 

Im Folgenden sieht man in dem Video der LMU einmal Messungen

zur Spannungsänderung.

Hinweis: In allen Videos zum Thema werden relativ wenige Messungen durchgeführt. Meiner Meinung nach

wären sehr viele Messungen mit den 140 Spulen von Phywe (s.oben) möglich. Leider habe ich selber dazu kein Video aufgenommen.

 

Quelle: LMU

 

In der Videoliste kann man sich noch weitere Videos zum Transforma-

tor ansehen.

 

Extra: realer Transformator - Verluste

 

Bei einem belasteten Transformator treten mehrere Energieverluste

auf, die dafür sorgen, dass der Wirkungsgrad nie 100% sein wird.

Man unterscheidet im Allgemeinen zwei Sorten von Verlusten:

 

1.) Eisenverluste: Dies sind Verluste die sich auf den Eisenkern be-

ziehen und durch die Magnetisierung mittels Wechselstrom auftreten.

2.) Kupferverluste: Hier handelt es sich um Verluste, die auf den

Stromfluss in den Spulen zurückzuführen sind.

 

1.) Eisenverluste:

Die größten Verlustarten sind hier Wirbelstromverluste und Hysterese-

verluste.

1.a.) Wirbelstromverluste:

Da der Eisenkern von einem sich ändernden Magnetfeld durchsetzt

wird, entstehen in ihm aufgrund von Induktion Wirbelströme. Um die

Entstehung weitgehend zu reduzieren, wird der Kern aus einzelnen

isolierten Blechen aufgebaut, so dass eine großflächige Wirbelstrom-

bildung unterbunden wird.

Folgendes Video zeigt einmal die Verhältnisse anschaulich:

 

Quelle: videoliste wirbelstroeme- video 1 ausschnitt

 

1.b.) Hystereseverluste

Durch das äußere Spulenmagnetfeld Berr wird im Trafokern durch die

Magnetisierung eine Gesamtmagnetfeldstärke Bges erzeugt. Diese

Feldstärken verlaufen aber nicht im Einklang. Folgende Abbildung

zeigt dies einmal.

 

Quelle: wikipedia

 

Man startet bei „0“. Es liegt kein Erregermag-

netfeld vor. Das Gesamtmagnetfeld ist auch

Null. Bei Erhöhung des Spulenmagnetfeldes

stellt sich eine Sättigung des Gesamtmag-

netfeldes ein („1“). Nimmt danach Berr ab,

nimmt Bges nicht synchron ab. Bei Berr = 0 T

bleibt ein Restmagnetismus, Remanenz ge-

nannt, zurück („2“). Man muss ein Gegen-

magnetfeld (Koerzitivfeldstärke) aufbringen,

damit der Kern unmagnetisch wird(„3“).

 

 

Die Hystereseschleife lässt sich mit der Neuorientierung der Weiss-

Bezirke und der Änderung der Bloch-Wände erklären. Hierfür wird

Energie benötigt, die sich letztendlich als Wärmeenergie, die Hystere-sewärme, bemerkbar macht.

 

1.c.) Magnetostriktion

Eine geringere Rolle spielen mechanische Verluste, die durch eine

Verlängerung und Verkürzung des Eisenkerns auftreten. Man spricht

vom Phänomen der Magnetostriktion. Man kann diese Längenänder-

ungen im Rhythmus der Frequenz am „Brummen“ des Transformators

erkennen. Technisch kann man die Magnetostriktion zum Bau von

Ultraschallsendern benutzen.

 

2.) Kupferverluste

Hierunter versteht man die Wärmeenergieverluste, die durch den

Widerstand des Spulenmaterials auftreten. Bei niedrigen Frequenzen

geht es meist um den ohmschen Widerstand des Materials. Bei

hohen Frequenzen kann noch der Skineffekt“ hinzukommen, der

dazu führt, dass der Strom nur noch an der Oberfläche der Strom-

kabel fließt.

 

Hinweis: realer Transformator - Wechselstromphysik

 

Da bei einem Transformator Wechselstrom fließt, muss man sich

eigentlich mit der Physik des Wechselstromkreises (induktive Wider-

stände, Phasenverschiebungen, Zeiger-Diagramme) beschäftigen,

um die Verhältnisse am Transformator ganz genau zu verstehen.

Hierauf wird in diesem Kapitel z.Z. keine Rücksicht genommen.

Hinweis: Z.Z. (2025) wird dieses Thema nicht mehr in der Oberstufe (NRW) unterrichtet.

Wahrscheinlich schreibe ich hierzu noch ein umfangreiches Kapitel. Dann kann ich darauf

verweisen. Also etwas Geduld.

 

zur Videoliste: Einführung Transformator

 

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Transformator Anwendungen (in Arbeit)

Selbstinduktion (Zusammenfassung)

 

 

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