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Wirbelströme

 

Einführung

 

Wirbelströme sind Kreisströme, die in Metallplatten entstehen, wenn

Induktionsprozesse innerhalb dieser Platten ablaufen. Diese Phäno-

mene hängen eng mit der Lenzschen Regel zusammen, weshalb es

sinnvoll ist, sich das entsprechende Kapitel dazu genauer anzusehen.

Da es sich um Induktionsprozesse handelt, kann es auch hilfreich sein,

das Kapitel zur Induktion erneut zu studieren. Zu Beginn werden wir

einige Experimente zum Thema durchführen und diese im Anschluss

erklären. Im weiteren Verlauf werden wir zudem praktische Anwendun-

gen wie z. Bsp. die Wirbelstrombremse behandeln.

 

Experimente

Waltenhofensches Pendel

 

Der Standardversuch im Unterricht ist das Waltenhofensche Pendel.

 

Aufbau:

Der Aufbau ist recht einfach. Hier sieht man zwei Beispiele, die sich

sehr ähneln.

 

Kurze Beschreibung:
Es handelt sich im Wesentlichen um ein Pendel, an dem unterschied-

liche Pendelkörper befestigt werden können. Diese Pendelkörper be-

stehen aus einem nicht magnetisierbaren Material, üblicherweise Alu-

minium. Die schwingenden Objekte können entweder Vollplatten oder

geschlitzte Scheiben sein. Die Pendelkörper schwingen in einem Be-

reich, in dem Magnetfelder wirken können. Konkret ist dies hier der

Raum zwischen den Polschuhen. Das Magnetfeld lässt sich über einen

Schalter ein- und ausschalten.

Versuchsablauf:
Der Versuchsablauf wird an einem Clip von Benno Köhler (Video 1 in der Liste) veranschaulicht.

 

  Kurze Beschreibung:

Die Vollplatte wird beim Einschalten des Magnetfeldes stark abgebremst, die Schlitzplatte erfährt kaum eine Abbremsung

 

Erklärung

 

Im Kern handelt es sich um den Induktionsfall 1. Teil: Man bewegt

eine Leiterschleife in ein Magnetfeld. Hier sieht man noch einmal

unsere früheren Überlegungen dazu.

 

 

 

 

 

 

Erläuterung: Sowohl beim Eintritt (rechts) als auch Austritt (links) treten

aufgrund der Bewegung der Elektronen mit dem Leiter Lorentzkräfte

auf, die die Elektronen im Leiterteil innerhalb des B-Feldes nach oben

bewegen lassen. Da ein geschlossener Leiter vorliegt, entsteht da-

durch ein Stromfluss (technische Stromrichtung) im Leiter. Dieser

Stromfluss führt wiederum zu einer Lorentzkraft, die den Leiter ab-

bremst. Nur für Teile innerhalb des Magnetfeldes trifft dies nicht zu.

Die Aluminiumplatte ist allerdings so groß, dass immer auf Teile Ab-

bremsung ausgeübt wird. Die Platte bleibt schließlich durch die Ab-

bremsung stehen.

 

Man stellt sich jetzt die Vollplatte aus vielen solcher Leiterteile zusam-

mengesetzt vor, so dass innerhalb der eintretenden Teile und austre-

tenden Teile Lorentzkräfte auftreten, die zu Stromflüssen führen, die

wiederum Lorentzkräfte hervorrufen, die im Einklang mit der Lenzschen

Regel zur Abbremsung führen.

Da wir eine Vollpatte und keine Einzelleiterschleifen vorliegen haben,

bilden die Ströme eher eine Ringform aus. Diese werden auch Wirbel-

ströme genannt. Das sieht dann wie folgt aus:

 

 

Auf die blaue Metallplatte wirken insgesamt abbremsende Kräfte.

 

Bei der geschlitzten Platte bilden sich wegen des begrenzten Raumes

nicht so gut Wirbelströme aus.

 

Schiefe Ebene

 

Ohne großen Aufwand kann man auch folgenden Versuch im Unter-

richt durchführen: Man bildet mit Materialplatten eine schiefe Ebene

und lässt darüber einen Magneten rutschen. Bei einer Kunststoffplatte

oder Holzplatte rutscht der Magnet schnell herunter, bei einer Metall-

platte geht es viel langsamer. Bei einer Kupferplatte langsamer als bei

Aluminium.

Der Versuch sieht also folgendermaßen aus:

 

 

Quelle: Uni Göttingen

Erklärung:

Unser Problem ist, dass sich jetzt das Magnetfeld bewegt. Wir also

Magnetfeldänderung in Leiterschleifen hätten und somit wären wir beim

Induktionsgesetz 2. Teil, bei dem nicht mehr mit Lorentzkräften argu-

mentiert werden kann.

Man kann sich aber hier eines Tricks bedienen, da ja wieder Bewegung

vorliegt. Man wechselt einfach das Bezugssystem und geht davon

aus, dass der Magnet ruht. Dann kann man alles mit dem ersten Ver-

such beschreiben. Die Bewegung des Magneten nach unten, entspricht

somit dem Einschieben der Leiterschleife in das Magnetfeld im unteren

Bereich, während im oberen Bereich sich die Leiterschleife aus dem

B-Feld bewegt. Es treten also Kräfte auf, die die Bewegung der Platte

nach oben behindern wollen.

Oder vom Magneten aus betrachtet: Der Magnet soll sich nicht so

schnell nach unten bewegen.

Zu dem Versuch gibt es auch ein Video im Netz, was im Folgenden

zu sehen ist.

Quelle: Uni Konstanz

 

Fallrohre

 

Ein Versuch, der dem der schiefen Ebene sehr ähnelt, ist der Fall eines

Magneten durch verschiedene Rohre. Der Versuch ist so „spektakulär“,

dass er sicherlich auch in einer Physikshow gezeigt werden könnte.

Die Physikanten haben z.B. einen solchen Versuch im Programm.

Hier wieder ein Ausschnitt aus dem Video von Benno Köhler:

 

Quelle: Ausschnitt aus Video 1 (Liste)

 

Da der Versuch dem der schiefen Ebene sehr ähnelt, kann die Erklär-

ung von dort übernehmen werden.

 

Drehende Scheibe

 

Ein weiterer Versuch, der in diese Reihe von Experimenten passt, ist

eine drehende Metallscheibe, die durch ein Magnetfeld abgebremst

wird.

Im Folgenden sieht man dazu zwei Videos (einmal ohne Magnetfeld,

das andere Mal mit Magnetfeld). Der Aufbau wurde von einem meiner

Schüler als Facharbeit angefertigt.

 

 

 

 

 

Anwendungen

 

Wirbelstrombremse

Wie man aus den Experimenten entnehmen kann, bietet es sich an,

die Wirkung der Wirbelströme zur Abbremsung von Gegenständen zu

benutzen.

 

1. Free Fall Tower

Beim Free Fall Tower muss nach dem freien Fall eine Bremsung der

Gondel stattfinden. Diese Bremsung soll natürlich unter allen widrigen

Umständen (Stromausfall usw.) erfolgen. Hierzu sind unter der Gondel

größere Dauermagnete angebracht. Im unteren Drittel des Towers gibt

es breitere Metallpatten, sogenannte Bremsschwerter, die von den

Dauermagneten umfasst werden. Die folgende Abbildung zeigt den

Aufbau:

 

Quelle: Bild aus dem Video 3 (Liste)

 

Wenn die Gondel nun herunterfällt,

umfassen die Dauermagnete im un-

teren Bereich des Towers die Brems-schwerter. Es tritt ein Induktions-

prozess auf, da auf die leitenden

Teile ein sich änderndes Magnetfeld

einwirkt (Induktion 2.Teil). Wir haben

einen ähnlichen Fall wie bei der

schiefen Ebene. Wirbelströme treten

in den Schwertern auf und führen zur

Abbremsung. Da der Induktionspro-

zess von der Änderung des magne-tischen Flusses abhängt, ist die Ab-

bremsung zunächst stark und wird

dann immer geringer. Die Gondel fällt

sachte zu Boden.

 

 

Um die Abbremsung noch angenehmer zu machen, können die Brems-

schwerter in unterschiedlicher Höhe angebracht sein. Die Gondel kann

durch Induktion nie vollständig zum Stillstand kommen, sondern ganz zum Schluss muss noch eine mechanische Bremsung einsetzen.

Da die Wirbelstrombremse immer aktiv ist, sobald sich die Gondel im

unteren Bereich des Turms bewegt wird, muss beim Anheben der

Gondel gegen die Bremse gearbeitet werden. Die Geschwindigkeit

nach oben ist aber recht gering, so dass die Bremswirkung nicht groß

ist.

Dieses Prinzip vom Free Fall Tower wurde auch für die Abbremsung

von Achterbahnen übernommen (Link: Achterbahnbremse).

Die folgende Abbildung zeigt einmal die Permanentmagnete der Achter-

bahn „Goliath“, durch die die Schwerter sich bewegen.

 

Quelle: wikipedia

 

Liegen Katapult-Achterbahnen vor, müssen die Schwerter bzw. Mag-

nete, wenn sie sich in der Beschleunigungsstrecke befinden, während

der Beschleunigung weggeklappt werden, weil sie sonst durch ihre Ab-

bremsung den Beschleunigungsprozess behindern.

Bei Katapult-Achterbahnen sind übrigens häufig wegklappbare Wirbel-

strombremsen in der Bescheunigungsstrecke oder kurz danach nötig,

weil es vorkommen kann, dass bei widrigen Verhältnissen der erste

Hügel nicht überwunden wird und der Zug dann zurückrollt. Man spricht

dann von einem „rollback“, der nicht selten vorkommt. (Rollback-Video)

 

2. ICE 3

Der schnellste ICE der Deutschen Bahn verfügt als einziger ICE neben

anderen Bremssystemen über eine Wirbelstrombremse. Diese Bremse

hat folgendes Aussehen und kann leicht mit der Magnetschienen-

bremse verwechselt werden.

 

 

Aussehen(aktiv)

Quelle: wikipedia

 

 

Funktion

Quelle: PDF zum Thema ICE

 

Im Aufbau liegen mehrere Elektromagnete vor, die so ausgerichtet sind,

dass abwechselnd unterschiedliche Pole auftreten. Wenn den Elektro-

magneten Strom zugeführt wird, treten Wirbelströme in den verlegten

Schienen auf, die zur Abbremsung (ähnlich Free Fall Tower) führen.

Der Bremsblock wird dabei so abgesenkt, dass er ca. 5 - 7 mm Abstand

zur Schiene aufweist.

Da das ganze System berührungsfrei funktioniert, kann der Bremsvor-

gang auch bei nassen Schienen oder Herbstlaub auf den Schienen gut

funktionieren. Außerdem ist der Betrieb verschleißfrei. Man kann durch

die Stromzufuhr zu den Elektromagneten die Bremswirkung beeinflus-

sen. Probleme ergeben sich durch die Erwärmung, was zu Verwerfun-

gen an den Gleisen führen kann. Störungen der Sicherheitstechnik

(Achszählkontrolle) können auch möglich sein.

(Link zu einer Broschüre, die umfangreiche Informationen zum ICE liefert)

 

3. Fitnessgerät-Ergometer

Bei vielen Ergometern (Fahrradtrainer, Rudergerät, Laufband) werden

Wirbelstrombremsen zur Leistungseinstellung benutzt. Das Magnet-

feld kann durch feste Magnete oder Elektromagnete erzeugt werden.

Bei Dauermagneten wird der Abstand zur Schwungscheibe oder die

Stellung der Magnete zueinander geändert (s. Videos). Beim Elektro-

magneten kann man einfach die Stromstärke ändern.

Im Folgenden zunächst ein Ausschnitt aus dem Benno Köhler Video

zu einem Hometrainer mit Änderung der Magnetstellung.

 

Quelle: Ausschnitt aus Video 1 (Liste)

 

Die nächsten Videos zeigen Fahrradergometer mit Änderung des

Abstandes von Magneten oder Stromstärkeänderung eines Elektro-

magneten.

 

1. Video: Abstand der Magnete zur Schwungscheibe ändern

 

2. Video: Stromstärke des Elektromagneten ändern

 

 

4. Sonstige Anwendungen

In der Literatur werden häufig noch weitere Anwendungen genannt:

Wirbelstromabscheider in der Mülltrennung, induktives Laden (Handy,

Zahnbürste usw.), Induktionskochfeld, Metalldetektor und Magnetumfor-

mer.

Ein Großteil dieser Anwendung benutzt auf der Primärseite Wechsel-

strom, so dass ich diese Anwendungen lieber beim Thema „Transfor-

mator“ behandeln möchte.

 

Die einzige Ausnahme ist der Wirbelstromabscheider. Er dient dazu

nicht ferromagnetische Metalle aus dem Abfall zu gewinnen. Hierzu

wird der Müll über eine rotierende Walze geführt, in der viele Dauer-

magnete abwechselnder Polung kreisförmig angeordnet sind. In den

nicht ferromagnetischen Metallen entstehen Wirbelströme, die wegen

der Lenzschen Regel ein Magnetfeld erzeugen, welches zu einer Ab-

stoßung vom Primarmagnetfeld führt, so dass diese Materialen wegge-

schleudert und in einem Behälter aufgefangen werden.

 

Video hierzu: Abscheidung von ferromagnetischen und nicht ferro-

magnetischen Metallen

 

 

Hier eine Abbildung zum Thema:

Quelle: Firma Bunting

 

Link zur Videoliste

 

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