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Induktionsgesetz−1.Teil

 

Änderung der Fläche durch Bewegung

 

Einführung

 

Wir betrachten im folgenden Kapitel die Spannungserzeugung (Induk-

tion) durch eine nicht drehende Bewegung. Die drehende Bewegung

wurde im ersten Teil der Betrachtung zur Induktion behandelt. Es bot sich an, die Drehung einer Leiterschleife im Magnetfeld als erstes zu betrachten, weil sie an den Gleichstrommotor anschließt.

 

Jetzt sollen einfache geradlinig gleichförmige Bewegungen im Mag-netfeld betrachtet werden. Es werden drei Fälle unterschieden:

1.Fall: die Leiterschleife befindet sich die ganze Zeit vollständig im

Magnetfeld

2. Fall: die Leiterschleife wird in das Magnetfeld oder aus dem Magnet-

feld bewegt.

3. Fall: die Leiterschleife wird im Magnetfeld deformiert, also die

Fläche vergrößert oder verkleinert.

 

Videos zur Einführung

 

Folgende Videos zeigen alle drei Fälle:

 

1.Video: Fall 1. und 2. werden gezeigt:

 

 

 

2.Video: der 3. Fall wird hier gezeigt

 

 

 

Man erkennt sofort, dass es im Video Nr.1 nur zu einer Spannungsan-

zeige kommt, wenn sich die Flachspule aus dem Magnetfeld heraus-

oder hineinbewegt. Eine Bewegung innerhalb des Magnetfeldes führt

zu keiner Induktionsspannung. Die Größe der Spannung hängt von der

„Schnelligkeit“ (Geschwindigkeit) der Bewegung ab. Je höher die Ge-

schwindigkeit ist, umso größer wird die Spannung.

Im dritten Fall ergibt sich bei Vergrößerung oder Verkleinerung der

Leiterschleifenfläche eine Spannung, die ebenfalls von der „Schnellig-

keit“ der Veränderung abhängt.

 

Hinweis für die Gestaltung der Experimente (Lehrer):

Im Allgemeinen wird ein Quadermagnet in der Physiksammlung nicht zur Verfügung stehen,

deshalb kann man auch einen Hufeisenmagneten oder eine Helmholtzspule benutzen.

( s. hierzu Video 3 , Video 4 und Video 5 von der Videoliste)

 

Erklärung

 

Zur Erläuterung sollen folgende Abbildungen dienen. Im Wesentlichen

wird es um die Lorentzkraft gehen.

 

1. Fall: Leiterschleife vollständig im Magnetfeld

 

 

 

 

 

 

Die Leiterschleife bewegt sich die ganze

Zeit innerhalb des Magnetfeldes. In den

Leiterteilen aus Metall befinden sich freie

Elektronen, die mit der Leiterschleife be-

wegt werden. Also liegen bewegte La-

dungen innerhalb eines Magnetfeldes

vor. Es tritt die Lorentzkraft auf. Nach der

Drei-Finger-Regel bewegen sich die frei-

en Elektronen nach unten. In dem linken

und rechten Leiterteil sammeln sich die

Elektronen also am unteren Ende. Es tritt

ein negativ „Pol“ auf. Am oberen Ende

fehlen Elektronen, also haben wir einen

positiven „Pol“. Da am Abgriff (oben) kein

Ladungsunterschied auftritt, kann man

keine Spannung abgreifen.

 

 

Hinweis: im oberen und unteren Leiterteil treten zwar auch Lorentzkräfte auf, die die Elektro-

nen aber nicht entlang des Leiters verschieben. Die Ladungsunterschiede treten an den

Wänden des Leiters auf (eine Art Halleffekt). Wir haben übrigens eine ähnliche Erläuterung

schon bei der Drehung einer Leiterschleife im Magnetfeld vorgenommen.

 

2. Fall: Leiterschleife aus oder in das Magnetfeld bewegen

 

 

 

 

 

Wir vergleichen mit dem ersten Fall und

sehen, dass jetzt im rechten Leiterteil

keine Lorentzkraft vorliegt, da sich der

Leiter nicht im Magnetfeld befindet. Wir

haben nur Lorentzkräfte im linken Lei-

terteil. Nur links gibt es eine Verschie-

bung der Elektronen. Diese Verschie-

bung setzt sich wegen der Abstoßung

gleicher Ladung bis zum Leiterende

fort, so dass man jetzt auf der linken

Seite einen Pluspol und rechts einen

Minuspol vorliegen hat. Man kann eine

Spannung an den Leiterenden messen.

 

 

3. Fall: Deformation einer Leiterschleife im Magnetfeld

 

 

 

In unseren Fall vergrößern wir die Quer-

schnittsfläche der Leiterschleife. Der

rechte und der linke Leiterteil werden in

entgegengesetzter Richtung verscho-

ben. Rechts haben wir die gleichen Ver-

hältnisse wie im ersten Fall. Links hin-

gegen bewegt sich das Leiterteil in die

andere Richtung. Die Lorentzkraft zeigt

damit in die andere Richtung als rechts.

Die Elektronenverschiebungen unter-

stützen sich gegenseitig. Es liegen

praktisch zwei Spannungen (rechts und

links) vor, die in Reihe geschaltet sind

und sich somit verstärken. An den

Leiterenden wird eine Spannung mess-

bar.

 

 

Formeln

 

Schauen wir uns nun an, wie wir die Induktionsspannung berechnen

können.

Die Abbildungen sind hierfür ohne Magnetfeld dargestellt. Das Ma-

gnetfeld soll immer in die Papierebene hineinzeigen.

 

2. Fall

 

 

 

 

Über die Länge l des Leiterteils im Magnetfeld baut sich die Spannung U  auf. Diese entsteht durch die wegen der Lorentzkraft verschobenen Elektronen.

Der ganze Aufbau ähnelt sehr einem

Kondensator. Wir verwenden daher die entsprechenden Formeln. Für die Lorentzkraft gilt:  FL = q ∙ v ∙ B. Durch die

verschobenen Elektronen baut sich ein elektrisches Feld zwischen den Enden des Leiterteils auf. Die auftretende elektrische Feldkraft FE = q ∙ E wirkt der Lorentzkraft entgegen, bis beide gleich groß sind. Dann ist die Endspannung Uind  erreicht. Es gilt also FL = FE oder

q ∙ v ∙ B = q ∙ E = q ∙ Uind / l . Kürzen mit

q und umstellen nach Uind ergibt.

Uind = v ∙ B ∙ l

 

 

Eine alternative Herleitung geht über Fläche A, wobei A die Fläche

der Leiterschleife ist, die senkrecht von Magnetfeldlinien durchsetzt

wird. Mit Hilfe dieser Herleitung gelangt man dann zur allgemeinen Formel für die Induktionsspannung.

 

 

Hier taucht auch korrekterweise das Minuszeichen auf, welches sich

dadurch ergibt, dass die Induktionsspannung immer einer schon vor-

her angelegten Spannung entgegenwirkt (s. Selbstinduktion).

 

3. Fall

 

 

 

 

Hier geht die Herleitung wie im zweiten

Fall, nur dass jetzt zweimal der Term

„s ∙ l“ auftaucht, da es zwei Spannungen

gibt, die sich addieren. Es gilt also:

Uind = 2 ∙ v ∙ B ∙ l (erste Herleitung)

bzw.

 

 

Man sieht also, dass sich die Induktionsspannung aus dem Produkt

„magnetische Feldstärke ∙ zeitliche Änderung von Aergibt. Haben

wir eine Spule mit „n“-Leiterschleifen, haben wir „n“-mal die „einfache“

Induktionsspannung und müssen den Faktor „n“ noch in die Formel

einbringen.

 

Zusammenfassung

 

 

Induktion durch Flächenänderung

 

Ändert sich die von Magnetfeldlinien senkrecht durch-

setzte Fläche AꞱ , bestimmt sich die Induktionsspannung

über die Formel

 

 

mit

n = Windungsanzahl der Spule

B = magnetische Feldstärke

 

 

Rückblick: Drehung einer Leiterschleife

 

Wir schauen jetzt noch einmal zurück auf das Kapitel „Flächen-änderung durch Drehung“. Können wir auch in diesem Fall die gerade

hergeleitete Formel benutzen?

Hierzu noch einmal zur entsprechenden Abbildung aus dem Kapitel.

 

 

Man sieht von vorne, also in Richtung der Drehachse, auf den Aufbau.

 

 

Wir erhalten also dieselbe Formel wie durch die Herleitung aus der

Lorentzkraft. Somit haben wir die Formel für Uind noch einmal be-

stätigt.

 

Übungsaufgabe

 

 

Aufgabe:

Wir wollen einmal nachrechnen, ob die Spannungsangabe im

ersten Video richtig sein könnten. Es liegt ein Quadermagnet

mit den Abmessungen l = 15 cm und b = 10 cm vor.

Hieraus kann man in etwa die Abmessungen der Flachspule mit

l = 7,5 cm und b = 5 cm abschätzen. Die Flachspule hat n = 500

Windungen. Innerhalb von ca. 9 s wird sie über die Länge

l = 15 cm gezogen. Wir berechnen hieraus die Induktionsspan-

nung.

Durch Recherche im Internet erhält man für den Quadermag-

neten eine Feldstärke auf der Oberfläche von B=0,4 T

 

Lösung:

Aus dem zweiten Fall entnimmt man die Formel für Uind mit

Uind = n ∙ v ∙ B ∙ l . Es gilt n = 500, v = 15 cm/9s und l = 5 cm.

Somit ergibt sich: Uind = 500 ∙ 0,15 m/9s ∙ 0,4 T ∙ 0,05m = 0,17 V

Dies stimmt ziemlich genau mit der Anzeige überein, wenn der

Vollausschlag des Instrumentes, wie angegeben, 100 mV be-

tragen soll.

 

 

Link zur Videoliste

sehr zu empfehlen ist hier das Video Nr. 6 von Benno Köhler

 

 

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