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Transformator-Anwendungen Teil 1

 

Einführung

 

In diesen Kapiteln soll es um Anwendungen des Transformators ge-

hen, d.h. man sollte sich vorher mit dem Kapitel „Transformatorbe-

schäftigt haben. Es kann auch nichts schaden, sich noch einmal die

Kapitel zur Induktion“ anzusehen.

Es wird um zahlreiche Anwendungen gehen, von denen wir einige be-

sonders intensiv behandeln werden. Im ersten Kapitel geht es um „das

induktive Laden“, „das Induktionskochfeld“ und der „Stromtransport

über Hochspannungsleitungen“. Zusätzlich werden wir uns in einem

zweiten Kapitel „Metalldetektoren“, „FI-Schutzschalter“, „Zündspulen“,

„Tachometer“, „Materialprüfung“, „Pinch-Effekt“, „Schweißen“ und

„Schmelzen“ widmen.

Außerdem werden einige übliche Schulversuche erwähnt werden.

 

Induktives Laden

 

Beim induktiven Laden wird der Akku eines elektrischen Gerätes über

Induktion aufgeladen. Die „Ladestation“ hat dabei die Form eines

Transformators. Es gibt also eine Feldspule (Primärspule) und eine

Induktionsspule (Sekundärspule). Der Primärspule wird der Wechsel-

strom zugeführt, der dann in der Sekundärspule den Akku auflädt.

Da der Induktionsstrom natürlich auch ein Wechselstrom ist, muss

noch eine elektronische Schaltung (Dioden) eingefügt werden, damit

sich ein Gleichstrom ausbildet.

 

Prinzipieller Aufbau

 

Die folgende Abbildung zeigt noch einmal den prinzipiellen Aufbau

beim induktiven Laden.

 

 

Quelle: wikipedia

 

 

Im Prinzip liegt ein Transfor-

mator vor. Man hat also eine

Primärspule L1, die mit

Wechselstrom (Oszillator) versorgt wird. Auf der Empfängerseite steht die Sekundärspule L2,

die über einen Gleichrichter

den Akku (Last) auflädt.

 

 

Um eine möglichst gute Übertragung zu gewährleisten, sollten die Ab-

stände möglichst gering sein. Im besten Fall werden die beiden Spulen

über einen gemeinsamen Eisenkern gelegt (elektrische Zahnbürste).

 

Man kann die Übertragung auch durch Resonanzschwingkreise ver-

bessern (resonante induktive Kopplung). Die Schwingkreise arbeiten

mit der Übertragungsfrequenz und verbessern den Übertragungsgrad,

so dass man auch größere Entfernungen zwischen den Spulen haben

darf (PKW Ladung).

Das Prinzip zeigt diese Abbildung:

 

Quelle: wikipedia

 

Video

 

Das folgende Video von Benno Köhler zeigt einmal das Prinzip des in-

duktiven Ladens und auch die zugehörige Elektronik.

Da das Video nicht mit Worten untermauert wird, erfolgt ein Kommen-

tar von mir.

 

 

 

Kommentar: zunächst wird das Prinzip des Transformators erklärt. Man sieht an

der Glühlampe, dass ein Wechselstrom übertragen wird, wenn ein Wechselstrom

zugeführt wird. Bei Gleichstrom auf der Primärseite (ca 1:50) leuchtet die Lampe

nicht. Wenn der Eisenkern geschlossen wird (ca. 2:30) funktioniert die Energie-

übertragung besser. Der Wechselstrom wird am Oszilloskop sichtbar gemacht

(ca. 2:55). Durch die Diode auf der Sekundärseite wird nur eine Stromrichtung

durchgelassen. Es tritt ein pulsierender Gleichstrom auf. Um diesen zu glätten,

wird ein Kondensator parallel verschaltet. Je höher die Kapazität des Konden-

sators ist, umso besser funktioniert die Glättung und man hat einen perfekten

Gleichstrom vorliegen. Mit diesem kann man dann den Akku aufladen.

Am Schluss sieht man das geöffnete Ladegerät mit Transformator (oben), Kon-

densator (unten mittig), Diode (unten links).

Bemerkung: In Wirklichkeit wird eine Kombination aus vier Dioden benutzt, so

dass jede Richtung durchgelassen wird. Link hierzu: Gleichrichter

 

 

Beispiele

 

Einige Beispiele für das „Induktive Laden“ sind das Aufladen von elek-

trischen Zahnbürsten, von modernen Handys und von Fahrzeugen.

 

Elektrische Zahnbürste

 

Wenn man eine elektrische Zahnbürste öffnet, findet man im Netzteil

die Primärspule und im Unterteil der Bürste die Sekundärspule.

In der folgenden Abbildung einer geöffneten Zahnbürste kann man dies

gut erkennen.

 

 

Quelle: wikipedia

 

In einem Kapitel bei wikipedia wird auch ein einfacher Schulversuch

gezeigt, der den Aufbau der elektrischen Zahnbürste nachstellt, aber

genauso gut auf jede induktive Ladung anwendbar ist.

Hier der Aufbau dazu.

Quelle: wikipedia (ergänzt durch Benennungen)

 

Handy-Ladung

 

Auch bei Handys gibt es neuerdings die Möglichkeit des kabellosen

Aufladens, wobei sich hier der QI-Standard durchsetzt. Bei diesem

Standard wird eine resonante Kopplung vorgenommen. Man legt das

Handy einfach auf eine Ladeschale und braucht sich um nichts mehr

kümmern (s.Video 5 Liste). Über die Vor- und Nachteile kann man sich

im wikipedia-Artikel informieren.

Die folgende Abbildung zeigt den Aufbau noch einmal.

 

 

Schema

 

Quelle: Ausschnitt aus Video 2 (Liste)

 

Realität

 

Quelle: Ausschnitt aus Video 2 (Liste)

 

 

Ladung Elektrofahrzeuge

 

Neben dem Laden an Ladesäulen wird auch am induktiven Laden von

PKWs und LKWs geforscht. Hierzu gibt es auch schon einige Ver-

suchsstrecken. Das Laden im stationären Zustand ist schon weit ge-

diehen, wohingegen sich das Laden während der Fahrt noch in der

Entwicklung befindet.

Besondere Herausforderungen sind wohl der große Abstand und die

gute Positionierung zwischen den Spulen. Beim stationären Laden ist

eine Spule in die Fahrbahndecke eingelassen (öffentlicher Verkehr)

oder es gibt eine Ladeschale an festen Ladestationen (z.B. für Privat-

haushalte).

Hier einmal ein paar Abbildungen für feste Ladestationen:

 

 

Ladestation Haushalt

 

Quelle: Ausschnitt aus Video 3 (Liste)

 

Ladefläche Bus

 

Quelle: wikipedia

 

Das Laden im Fahrbetrieb ist deutlich komplexer und wird z.Z. noch

intensiv erforscht. Es könnte eine Alternative zum E-Highway dar-

stellen, bei dem Oberleitungen für die Stromzufuhr sorgen. Um das

Laden im Fahrbetrieb zu ermöglichen, sollen sogenannte „elektrische Autobahnen“ entstehen, bei denen im Straßenbelag eine lange Reihe

von Feldspulen verbaut wird, die dann die Induktionsspule im Boden

des Fahrzeuges mit Strom versorgen.

Die beiden Abbildungen stellen den E-Highway und die elektrische

Autobahn gegenüber.

 

 

E-Highway

Quelle: wikipedia

 

Oberleitungen zum Abgreifen

mit Stromabnehmern

 

 

Elektrische Straße

Quelle: Ausschnnitt aus Video 4 (Liste)

 

Aneinandergereihte Feldspulen im

Straßenbelag zur induktiven Ladung

Link zu einem Artikel mit Video: Elektrische Autobahn

 

weitere Beispiele

 

Stark verbreitet ist das induktive Laden auch beim Betrieb von auto-

nomen Fahrzeugen, z.B. in der Lagerhaltung (Video 7 Liste).

Auch im medizinischen Bereich bietet sich das induktive Laden an, da

hier sehr viel Rücksicht auf die Hygiene genommen werden muss.

Es gibt z.B. Blutdruckmessgeräte, die induktiv geladen werden.

Natürlich wäre es auch sehr nützlich bei Akku-Geräten, die sich im

Körper eines Patienten befinden. Inzwischen gibt es z.B. induktiv auf-

ladbare Herzschrittmacher.

Um bei modernen Knie- und Beinprothesen ein mögliches Kleidungs-

stück nicht ablegen zu müssen, gibt es auch hier für den Akku der Elektronik ein induktives Ladegerat (s.Ottobock).

 

Induktionskochfeld

 

Als Alternative zu den bisherigen Kochfeldern setzt sich in letzter Zeit

immer mehr das Induktionskochfeld durch.

Der Aufbau entspricht einem Transformator mit einer hohen Windungs-

zahl auf der Primärseite und geringer Windungszahl (Topfboden) auf

der Sekundärseite, so dass nach dem Transformatorgesetz für die

Stromstärken sehr hohe Stromstärken auf der Sekundärseite, also

dem Topfboden auftreten.

 

Aufbau

 

Folgende Abbildung zeigt einmal den Aufbau im Schema.

 

 

Quelle: HEA

 

Unter der Glaskeramikplatte

(2), auf der der Topf steht, be-

findet sich eine großflächige

flache Kupferspule (5). Sie

bildet die Primärspule. Der

Topfboden aus leitfähigem

Material steht für die Sekundär-

spule. Der Kupferspule wird ein

hochfrequenter Wechselstrom

zugeführt, der durch die Elektro-

nik aus dem Netzstrom entsteht.

 

 

Funktion

 

 

Quelle: wikipedia

Primärspule (flache Kupferspule) mit

Elektronik und Ventilator (rechts unten)

 

 

Durch den hochfrequenten Wechsel-

strom ändert sich das auftretende

magnetische Feld laufend. Dieses

sich ändernde magnetische Feld er-

zeugt auf der Sekundärseite, dem

Topfboden, Wirbelströme. Diese

sorgen dann für die Erwärmung des

Topfbodens (s.u.) Es liegt dem Auf-

bau nach ein Transformator vor mit

einer Primärspule sehr hoher Win-

dungszahl und einer Sekundärspule

mit der Windungszahl n=1.

 

Technische und physikalische Ergänzungen

 

Da es sich um einen Induktionsvorgang handelt, sollte natürlich die

Übertragung des sich schnell wechselnden Magnetfeldes möglichst

gut erfolgen. Daher muss der Topfboden aus ferromagnetische Anteil-

en, meist Edelstahl, bestehen. Durch das ferromagnetische Material

wird das Magnetfeld in diesem Material gebündelt und streut nicht so

stark wie bei Kupfer oder Aluminium.

Eisen hat auch den Vorteil des recht hohen spezifischen Widerstandes

(ρFe = 0,1 Ω ∙ mm2/m) gegenüber Kupfer (ρCu = 0,017 Ω ∙ mm2/m) bzw.

Aluminium (ρAlu = 0,028 Ω ∙ mm2/m). Dadurch ist der elektrische Wider-

stand größer und es tritt vermehrt Reibungswärme auf.

Neben der Widerstandwärme kommt auch Hysteresewärme vor, die

durch das Umklappen der Weisschen Bezirke und Verschiebung der

Blochwände entsteht (s.Transformatorverluste).

Durch die extrem hohen Frequenzen tritt im Topfboden der Skineffekt

auf, so dass nur in den Außenbereichen des Topfes Wirbelströme auf-

treten, was ebenfalls den elektrischen Widerstand erhöht, da die Quer-

schnittsfläche A abnimmt. Es gilt ja R = ρ ∙ l / A .

Wenn aber nur im Außenbereich Wirbelströme und somit Wärme auf-

tritt, ist eine gleichmäßige Wärmeverteilung im Topfboden nicht ge-

währleistet. Deshalb wird der Topfboden in Sandwichbauweise kon-

struiert. Innerhalb einer dünnen Edelstahlummantelung befindet sich

ein kompakter Aluminiumkern, der für eine gute Wärmeverteilung

sorgt. Dies hat auch den Vorteil, dass weniger Wärme an die Stand-

fläche abgegeben wird.

 

 

               Sandwichboden

 

 

Videos:

 

Fünf Videos zum Thema „Induktionsherd“

1.    Video: schöne Animationen zum Aufbau und Funktion

2.    Video: Aufbau, Funktion, Geschichte, mit viel Begeisterung vorgetragen

3.    Video: der Skineffekt wird sehr anschaulich gezeigt

4.    Video: Das meint Benno Köhler dazu

5.    Video: einer der vielen Videos zum Thema: Alufolie auf einem Induktionsherd

 

1.Video

 

 

 

2.Video

 

 

 

 

3.Video

 

 

 

 

  4.Video 

      

Quelle: Clip aus Video 1 (Liste Wirbelströme)

 

5.Video 

 

Quelle: Clip aus Video 8 (Liste)

Hinweis zum letzten Video:

Es gibt extrem viele Videos auf YouTube mit den Effekten, die eine Alufolie auf

einem Induktionsherd zeigt: 1.) die Folie wird abgestoßen 2.) es treten Funken

auf 3.) die Folie schmilzt

Erklärung:

1.) Abstoßung

Es gilt die Lenzsche Regel, d.h. der Induktionsstrom ist so gerichtet, dass er

seine Entstehung behindert. In unserem Fall entsteht durch den Induktionsstrom

ein Magnetfeld, welches sich vom Magnetfeld der Primärspule (Kupferspule) ab-

stößt

2.) Funkenbildung

Es treten Induktionsspannungen mit sehr hohen Strömen auf, so dass bei Rissen

in der Folie auch Funken auftreten können.

3.) Schmelzen

Alufolie hat einen sehr geringen Schmelzpunkt, so dass die hohen Stromstärken

zu einem Schmelzen der Folie führen können.

 

Stromverteilung über Hochspannungsleitungen

 

Die folgende Abbildung zeigt die Stromversorgung in Deutschland.

 

Quelle: wikipedia

 

Man sieht, dass es vier unterschiedliche Spannungsebenen gibt:

Höchstspannung mit 220 bzw. 380 kV, Hochspannung mit 110 kV,

Mittelspannung mit 1−50 kV und die im Haushalt bekannte Nieder-

spannung von 400 V bzw. 230 V.

Zwischen all diesen Spannungsebenen sind Transformatoren einge-fügt, um die Spannungsumwandlung zu gewährleisten.

Es ergibt sich dadurch ein recht komplexes Gefüge. Warum speist

aber man den Strom nicht direkt vom Kraftwerk in die Haushalte ein?

 

Rechnung: Verlustleistung

 

Hierzu berechnen wir einmal die Energieverluste.

 

Zunächst bestimmen wir hierzu den Widerstand einer Freileitung pro

km. Im Allgemeinen ergeben sich bei allen Rechnungen im Internet

sehr geringe Widerstände, was meine Rechnung bestätigt.

 

Berechnung des Widerstandes einer Freileitung:

Für eine Hochspannungsleitung (110 kV) findet man bei wikipedia die

Angabe, dass das Seil aus einem Stahlkern mit Aluminiummantel be-

steht. Für Stahl wird die Querschnittsfläche 60 mm2 und für Aluminium

257 mm2 angegeben. Also wie im linken Teil der Abbildung:

 

Quelle: wikipedia

 

Berechnung der Verlustleistung pro km

 

 

Resümee

Die Transformation ist notwendig, um die Verlustleistung möglichst ge-

ring zu halten. Es muss ein Kompromiss zwischen der Größe der

Querschnittsfläche und der Verminderung der Verlustleistung gefun-

den werden. Eine größere Querschnittsfläche vermindert zwar den

Verlust weiter, würde aber zu einem deutlichen Anstieg der Masse

der Leitungen führen, was hohe Kosten verursacht.

 

Videos: Freileitungen

 

Zwei schöne Videos von „Physik mit c“ zu dem Thema Freileitungen.

1. Video: schönes Experiment, das den Vorteil der Transformation zeigt

2. Video: Theorie zum Versuch (hier „vom Haushalt aus gerechnet“).

 

 

 

 

 

 

Hochleistungstransformatoren

 

Die Umwandlung von Spannungen bei so hohen Leistungen benötigt

entsprechende Transformatoren. Trotz der eigentlich geringen Wärme-

verluste werden diese Transformatoren wegen der hohen Leistungen

sehr warm und müssen gekühlt werden. Zur Kühlung werden die Kerne mit den Wicklungen in ein Ölbad getaucht. Das Öl nimmt die

Wärme gut auf. Die Kühlung erfolgt durch Kühlrippen und das An-

blasen mit Luft über zusätzliche Lüfter. Da sich das Öl ausdehnt, muss

ein Ausdehnungsgefäß angebracht werden. Zur Fehlerkontrolle wird

zwischen Transformator und Ölausdehnungsgefäß ein Buchholz-Relais

angebracht.

Es werden auch besondere Wicklungstechniken benutzt. Meist werden

die verschiedenen Wicklungssysteme für Primärspannung und Sekun-

därspannung übereinander auf demselben Kern ausgeführt (s. Zünd-

spule).

Abbildungen: Leistungstransformatoren

 

Im Folgenden drei Abbildungen zum Thema:

 

1. Wicklungsschema

 

Quelle: wikipedia

                             1. Eisenkern, 2.Unterspannungswicklung, 3. Hauptstreukanal

                             4. Oberspannungswicklung

 

2. Querschnitt−Aufbau (Schema)

 

Quelle: wikipedia

                    1. Gehäuse mit Öl gefüllt, 3. Ausdehnungsgefäß, 5. Buchholz-Relais

                          10. Oberspannungsführung, 12. Unterspannungsführung

 

3. Hochleistungstransformator im Original

 

Quelle: wikipedia

 

Videos. Leistungstransformatoren

 

Man findet auch einige Videos zum Thema (englisch):

1.Video: Eine ganze Playlist mit Animationen zum Thema. Playlistvideo 5-7 muss

man sich wohl oder übel auf YouTube ansehen, da diese sich nicht einbetten

lassen.

2.Video: Animation zum Aufbau des Tranformators. Es geht aber vor allem um

die Funktion des Buchholz-Relais.

3 Video: Es geht um die reale Montage von Leistungstransformatoren.

 

 

 

 

 

 

 

Videoliste zum Thema

 

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weiter mit Kapitel

 

Transformator Anwendungen Teil 2

(in Arbeit)

 

 

 

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