Energie eines geladenen Kondensators

 

Gedankenexperiment - Formel für die Energie

 

Es stellt sich zunächst einfach die Frage, warum ein geladener Kon-

densator eigentlich Energie gespeichert haben muss. Hierzu ein

paar einfache Überlegungen. Energie ist ja gespeicherte Arbeit, d.h.

um einen Kondensator zu laden, muss offensichtlich Arbeit verrichtet

werden (s. Arbeit und Energie).

Wir stellen uns dazu vor, die Ladungen wird schrittweise auf den

Kondensator aufgebracht, indem von der einen Platte des Kondensa-

tors „per Hand“ immer eine Ladungsportion zur anderen Platte trans-

portiert wird. Siehe hierzu folgende Abbildung:

 

 

Wir beginnen bei einem neutralen (ungeladenem) Kondensator.

Im ersten Schritt wird eine Ladung +q von links nach rechts trans-

portiert. Hierzu muss keine Arbeit verrichtet werden, da ja noch

kein elektrisches Feld vorliegt bzw. keine abstoßende positive Ladung

auf der rechten Seite. Im zweiten Schritt wird ein weiteres +q nach

rechts gebracht. Diesmal liegt ein elektrisches Feld (bzw. eine Ab-

stoßung durch die im ersten Schritt transportierte Ladung) vor. Es wird

Arbeit verrichtet usw. Die verrichtete Arbeit pro transportierter Ladung

muss mit jedem Schritt größer werden, da das E-Feld (bzw. die Ab-

stoßung) zunimmt.

Wie berechnet sich jetzt die pro Schritt verrichtete Arbeit? Wir leiten

zunächst eine allgemeine Formel für die Einzelschritte her und

übertragen diese dann auf jeden einzelnen Schritt.

Für die Arbeit gilt (s. Arbeit):

 

 

für F gilt: (s. Feldstärke)

 

 

im homogenen Feld (gilt ja pro Schritt) ergibt sich

 

 

 

Man muss jetzt alle Arbeiten aufaddieren und erhält dann die Gesamt-

arbeit. Dann müsste man noch eine Näherung für sehr kleine La-dungen vornehmen.

Am einfachsten schaut man sich das Ganze einmal graphisch an, in-

dem man ein Diagramm aufstellt, in dem die Spannung U gegen Q

aufgetragen ist. Dies sieht in etwa folgendermaßen aus:

 

 

 

Die Fläche der Rechtecke entspricht der verrichteten Arbeit, da q ∙ U

für die Rechteckfläche gerechnet wird, d.h. die Gesamtfläche ergibt

die Gesamtarbeit.

Für sehr viele kleine „q“-Werte (Näherung: n→∞) nähert sich diese Fläche immer mehr der Dreiecksfläche an, die durch die blaue Linie begrenzt wird. Die blaue Linie wird für sehr kleine q zu einer Ursprungsgeraden und endet bei UG. Somit ergibt sich für die Gesamtarbeit und damit die gespeicherte Energie die Formel:

 

 

Wir erhalten also als Formel für die im Kondensator gespeicherte

Energie.

 

 

Formel für die Energie eines geladenen Kondensators

 

 

 

1. Alternative: mathematische Formel-Herleitung über das Integral

 

Wenn schon genügend mathematischer Hintergrund vorliegt, kann

man die Formel auch einfach mathematisch herleiten.

Da die Fläche unter dem U-Q−Diagramm gefragt ist, kann man über

die Integralrechnung die Formel erhalten. Das bestimmte Integral von

0 bis Q über den funktionellen Zusammenhang zwischen U und Q er-

gibt ja die Fläche unter dem Graphen.

U lässt sich aus der Ladung q einfach über die Funktion U(q) = q/C

(s.o.) bestimmen.

Die Herleitung geht dann so:

 

 

2. Alternative: mathematische Formel-Herleitung über Gauß

 

Wir haben oben gesehen, dass man die Einzelarbeiten aufaddieren muss. Es gilt dann also

 

 

 

Einfache Beispielaufgaben

 

Aufgabe Nr.1

 

Auf einen Kondensator fließt bei einer Spannung von 200 V

eine Ladung von 2 nAs auf. Wie groß ist die gespeicherte

Energie? Welche Kapazität weist der Kondensator auf?

 

Lösung:

 

Aufgabe Nr.2

 

Ein Superkondensator mit einer Kapazität von C = 500 F wird

mit einer Betriebsspannung von 3 V betrieben.

Wie lange kann man hiermit ein Fahrradrücklicht(LED) betreiben, das mit U = 3 V und I = 20 mA versorgt werden

muss? (Voraussetzungen wie bei Nr.3 ÜA).

 

Lösung:

Solange braucht eine LED nicht betrieben werden. Es reichen

meist 3 min. Welche Kapazität benötigt somit der Kondensator

nur?

 

 

Weiterführung zur Feldenergie

Wenn man weitere Umstellungen vornimmt, merkt man, dass die

Energie wohl im elektrischen Feld gespeichert ist. Man spricht dann

von der elektrischen Feldenergie.

Die Umstellungen gehen folgendermaßen:

 

 

Man hat in der Formel nur noch „feldbeschreibende“ Größen, wie die

Feldstärke E und das Volumen V des Feldes. Daher wird häufig von

Feldenergie gesprochen. Also ist die Energie nicht im Kondensator gespeichert, sondern in seinem elektrischen Feld. Dies hat die Kon-sequenz, dass, wenn es ein Feld ohne Kondensator gibt (z.B. elektro-

magnetische Wellen), auch Energiewerte vorliegen.

 

Linkliste zum Thema:

 

1.) Herleitung der Formel bei simple club  Herleitung im ersten Teil sehr ähnlich wie bei mir

2.) Gaußsche Summenformel (wikipedia)

3.) Superkondensatoren (wikipedia)

 

 

- Kapitel „Kapazität“

 

- Übersicht „Felder“